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Einartshausen

Ein Gang durch die Geschichte

Die Gegend zählt nicht zu den ältesten Wohngebieten im oberhessischen Raum. Dazu waren die klimatischen und Bodenverhältnisse nicht günstig genug. Die -hausen Dörfer sind chattischen Ursprungs. Während dieser Periode entstanden Eichelsdorf, Wetterfeld, Schotten, das alte Michelbach, Busenborn, Sichenhausen, Wingershausen, Gedern und Einartshausen. Noch immer wurde die Höhe des Vogelsberges gemieden. Die Ortschaften wuchsen heran, die Gemarkung wurde durch Waldrodung allmählich größer. Die weichenden Erben wagten sich zunächst in die Täler, später auch auf die Anhöhen. 
Die Abwanderung wurde gestoppt, als es in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts zu den großen Einfällen der Ungarn kam. Da gewann der Vogelsberg wieder an Wertschätzung. Überall wurde der Wald gerodet, so entstanden die zahlreichen Dörfer auf -rod (Betzenrod, Eschenrod, Burkhards). 

Im Jahre 1187 wird Einartshausen zum ersten mal in einer Urkunde genannt, als Einartshausen und weitere 27 Ortschaften von dem Grafen Berthold II. von Nidda an die Johanniter übergeben werden. Die Ritter des Ordens mit  dem achtstrahligen Stern auf dem Mantel sorgten für Sicherheit und Recht, die Priester betreuten die Schulen, die dienenden Brüder treiben Landwirtschaft, pflegten die Kranken und erhoben Steuern. Wer mag dieser Eginhard, den man als Gründer des Dorfes ansieht, gewesen sein? Was mag ihn veranlasst haben, in dem hintersten Seitental zu siedeln? Woher ist er wohl gekommen? Eine Sage will wissen, dass ein Graf von Stornfels drei Söhne gehabt hatte, denen er in der Nachbarschaft Land zuwies. Sie rodeten sich ihre Gemarkung und gaben den neuen Wohnplätzen die Namen Ruthardshausen, Gonterskirchen und Einartshausen. Mit Sicherheit ist der Gründer nicht identisch mit dem oft zitierten Geschichtsschreiber und Kaiser Karls des Großen. Aber der unbekannte Eginhard verdient ein Denkmal dafür, dass er sich eine so schöne und klimatische Gegend als Heimat ausgesucht hat. Er besaß eine glückliche Hand, einen Platz ausfindig zu machen, wo alle Vorraussetzungen für eine gute Landnahme gegeben sind: fruchtbarer, gründiger Boden, genügend Quellfeuchtigkeit und eine ausreichende Vegetationszeit. 
Das Dorf gehörte Jahrhunderte lang eng zu Laubach und hat auch dessen Besitzer mitgewechselt. Seit dem sind über 150 Jahre vergangen. An die ehemalige Standesherrschaft erinnert noch das Amtshaus in Einartshausen.

 

 

Wissenswertes über die Einartshäuser Kirche

Die Kirche ist das älteste Gebäude im Dorf und überragt alle anderen Häuser. Es ist ein architektonische schöner Bau, diese einst dem heiligen Nikolaus geweihte Kirche.
Wie so oft im Leben, wichtige Entdeckungen und Erkenntnisse dem reinen Zufall zu verdanken sind, so bekam man wie durch ein Wunder ganz genaue Auskunft über das Alter der Kirche. Während der 1965 abgeschlossenen Kirchenrenovierung war der Abbau des brüchigen Altars notwendig geworden. Inmitten des aus Bruchsteinen gemauerten Blockaltars fanden die Arbeiter einen Reliquienbehälter. Im Inneren des Tontöpfchens lagen, in feine Seide gewickelt, einige Knochensplitter als eigentliche Reliquien, dann zwei Gewandfragmente aus dickerer Seide mit eingearbeiteten farbigem Muster, weiter drei Mosaiksteinchen in den Farben blau, weiß und rot und ein Weihrauchkorn. Auf einem Siegel ist ein sitzender Bischof gezeigt. Seine rechte Hand hält den Bischofsstab, die Linke ein Buch von oben gefasst, das auf dem linken Oberschenkel ruht. Er trägt ein umlaufendes Schriftband. Die Schrift deutet auf das 12. oder 13. Jahrhundert hin. Der Text wurde mühsam entziffert, zu deutsch: Christian, von Gottes Gnaden Bischof der Litauer.
Weiteres Nachforschen erhellte die Person dieses Bischofs. Es handelte sich um den Mainzer Weihbischof Christian, der um 1250 bei der Bekehrung der heidnischen Litauer in Erscheinung tritt. 
Man weiß nun mit Sicherheit, dass Bischof Christian die Beisetzung der Reliquie und damit die Weihe des Altars und der Kirche zwischen 1262 und 1270 vorgenommen hat. Damit kann das Gotteshaus auf ein 700 jähriges Bestehen zurückblicken. Während dieser langen Zeit war die Kirche der zerstörenden Gewalt der Verwitterung ausgesetzt. Besonders kritisch wurde die Situation im Jahre 1717, als der Kirchturm einzustürzen drohte. 
 
 
Kurze Betrachtung über den Friedhof und das Ehrenmal neben der Kirche

In der napoleonischen Zeit hat das Dorf zu spüren bekommen, was Krieg bedeutet. Hessen gehörte ja dem Rheinbund an und durfte Soldaten stellen für Frankreichs Weitereroberungspläne. Dreizehnmal finden sich in den Kirchenbüchern Eintragungen, die besagen, dass ein Sohn des Dorfes 1812 in Russland vermisst wird.
Der 1. Weltkrieg sah Einartshäuser, die, getreu ihrem Soldateneid, zu den Fahnen eilten, um im Osten und Westen des Vaterlande gegen den Feind zu verteidigen. In der Blüte ihrer Jugend und im Vollbesitz ihrer männlichen Kraft zogen sie hinaus in die Schrecknisse der Materialschlachten. Nicht alle waren beschieden, wieder in den stillen Frieden ihres Heimattales zurückzukehren. Neun Gefallene und fünf Vermisste fehlten. 
Kaum waren die Wunden in den Herzen der Hinterbliebenen verheilt, da brach der 2. Weltkrieg aus. Er verlangte einen Blutzoll von Gefallenen und Vermissten. Ein angelegtes Ehrenmal, aus heimischen Basalt gebaut, erinnert uns Überlebende an das Vergangene. Das Dorf erlebte alle Stationen eines totalen Krieges. Es sah Evakuierte aus den bombengefährdeten Gebieten, erlebte den Einmarsch der amerikanischen Panzer. Am 13.04.1946 bewegte sich ein seltsamer Zug, von Rainrod kommend, den Hollerweg herab. Es waren Heimatvertriebene aus dem Sudetenland. Die Einwohnerzahl stieg von 340 im Jahre 1939 auf 367 an. Bald lernten die Alteingesessenen die Flüchtlinge kennen, verstehen und achten. Manch Äckerchen wurde als Gemüsegarten in Pflege genommen. Als sich dann die Verhältnisse zu normalisieren begangen, zog es viele Neubürger wieder hinaus in die Städte, da sie hier in Einartshausen den erlernten Beruf nicht ausüben konnten.
 
 
Aus der Geschichte der Einartshäuser Schule
 
Bis zum Jahre 1809 haben die Einartshäuser Lehrer, die neben ihrem Beruf noch die Landwirtschaft ausüben mussten, den Unterricht in ihrer eigenen Wohnung erteilt. Als dann 1809 die Pfarrei Einartshausen nicht mehr besetzt und von Gonterskirchen aus mitversehen wurde, zog der Lehrer in das freigewordene Pfarrhaus ein, und ein großer Raum nahm zeitweise 70 Schulkinder auf.
1889 wurde die jetzige Schule erbaut.
 
 
Schlimme Zeiten
 
Brand und Mord, Plünderung und Pestilenz drangen während des 30jährigen Krieges in das Dorf vor.
Eine Gonterskircher Sage berichtet, schwedische Kriegsvölker hätten das Dorf gesucht, um es auszuplündern, konnten es aber nicht finden. Wald und mächtige Heckenzüge schoben sich wie eine Kulisse vor die Behausung und schützen sie so vor Zerstörung. Auf Einartshausen dürfte die selbe Mutmaßung zutreffen. Seine Abseitslage war damals viel wert.
Trotzdem waren die Folgen des Großen Krieges natürlich noch lange Zeit spürbar. Damals musste der Laubacher Graf Boten bis nach Nürnberg schicken, um Brotfrucht für seine hungernden Untertanen zu kaufen. Hauptnahrungsmittel waren zu dieser Zeit Erbsen und Rapsöl. Der Siebenjährige Krieg brachte heftige Kämpfe in der verlustreichen, wechselvollen Auseinandersetzungen zwischen Friedrich dem Großen und seiner tapferen Gegnerin Maria Theresia, der Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Nicht allgemein bekannt ist, dass auch im oberhessischen Raum gekämpft wurde. Es wäre den Völkern zu gönnen gewesen, wenn zwischen den großen Kriegen, echte Friedenszeiten gelegen hätten. Leider fielen aber manche Feldzüge in diese "stillen" Zeiten, von denen heute niemand mehr spricht, weil sie vergessen sind. So etwa der andere siebenjährige Krieg, den die genannte Kaiserin von 1741 bis 1748 um die Behauptung ihres Thrones gegen die Ansprüche des bayrischen Kurfürsten Karl Albert v. Wittelsbach durchstehen musste.
Diese Zeit war für Einartshausen und die nähere Umgebung von großer Bedeutung.
 
 
Wie die Einartshäuser ihr Brot verdienten

Die heutige offene Gemarkung entstand durch Rodung. Äcker und Wiesen mitsamt der ganzen Dorfanlage wurden dem Walde abgerungen. 
Vier Familien stellten sich vor etwa 200 Jahren, als die nahe Friedrichshütte Holzkohle zum Schmelzen des heimischen Erzes brauchte, auf die Arbeit im Walde um. Weil der Ackerbau kaum das Jahrbrot erbrachte, verdienten viele Männer fortan als Holzfäller und Kohlebrenner ihr tägliches Brot. Überall in unseren Wäldern finden sich noch heute die kreisrunden Kohlplätze mit ihrem schwarzen Erdreich, Zeugen eines ausgestorbenen Handwerks. Nicht nur der Kohlenbrennerberuf ist erloschen. Verschwunden sind auch die Glasmacher und Ziegler, die Küfer und Holzdreher, Korbmacher und Besenbinder, die Hirten, Leineweber und Strumpfwirker, Nagelschmiede und Lattenmacher, Musikanten und Nachtwächter, Perückenmacher und Hüttenschreiber. Das Leben in Einartshausen dürfte zu keiner Zeit ein sorgloses Idyll gewesen sein, sondern verlangte harten Einsatz des ganzen Menschen. Es ist unwahrscheinlich, dass es hier jemals einen nennenswerten Wohlstand gegeben hat. Wohl aber waren Not und Sorge häufig zu Gast. Viele Menschen kehrten damals verzweifelt der Heimat den Rücken und wanderten aus nach Nordamerika.
 
 
Das neue Einartshausen

Einartshausen mit seinen rund 500 Einwohnern, ist heute keine Bauerndorf mehr. Die wenigsten seiner 40 landwirtschaftlichen Betriebe, sind als solch ein der Lage, ihren Mann zu ernähren. Man musste sich nach einem Nebenerwerb umsehen und tendierte zur Aufgabe der kleinen Bauernwirtschaft. So wurde das Dorf allmählich zu einer Arbeiterwohngemeinde auf landwirtschaftlicher Grundlage. Da Einartsausen keinerlei Industrie besitzt, verdient ein beträchtlicher Teil der Erwerbstätigen seinen Lebensunterhalt als Außenpendler.
 

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