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Eichelsachsen

Aus früheren Zeiten

Die fränkische Besiedlung erfolgte vom Rhein-Main-Gebiet her und ließ zunächst die fast menschenleeren waldigen Abhänge des Vogelsberges außer acht. Bis in die Zeit des Karl des Großen (um 800) entstanden in der Wetterau die Orte auf -stadt, -heim, -bach, -feld, -dorf und -en. Diese findet man außer im Tale der Nidda nur bis zu einer bestimmten Höhenlage. Für die Gerichts- und Verwaltungsangelegenheiten wurden in größeren Gerichtsverbänden zusammengefasst. Die Aufsicht über diese Gerichte wurde bald in hochadeligen Familien erblich.

In der Zeit nach Karl dem Großen hat das Kloster Fulda in der so genannten Fuldischen Mark und im Niddatal mit den Gerichten Berstadt, Bingenheim, Echzell, Dauernheim, Nidda, Stornfels und Rodheim ein solches geschlossenes Herrschaftsgebiet erworben. Über den Vogelsberg in das Stammgebiet des Klosters um Fulda führten nun die uralten Hohen Straßen. Von der Eichelsdorfer Kirche aus zogen zwei Straßenzüge: über den Auerberg auf das Wildhaus von Eschenrod und über den Breitenstein und das Gebiet der späteren Ziegelhütte - Hof Zwiefalten auf den Bildstein zu und berührten so die Gemarkung von Eichelsachsen. Um das Gebiet entlang dieser wichtigen Straßen in die Hand zu bekommen, verschaffte sich das Kloster Fulda von Anfang an alle Rechte: die Gerichtsoberhoheit über die beiden Gerichte Burkhards und Crainfeld, die nun hier eingerichtet wurden, und die Herrschaft über Grund und Boden in ihnen. Erst dann wurde systematisch mit der Besiedlung der Gegend begonnen. Die Leute zogen hier nicht mehr wie ursprünglich in der Wetterau frei zu, sondern siedelten sich auf fremden Grund und Boden unter einem erblichen Oberherren an. In der Zeit nach Karl dem Großen bis etwa zum Jahre 1.000 sind die Orte auf -hausen, -born, -rod und -hain entstanden, die sich nur in den höheren Lagen finden. Die Orte auf -sachsen oder -sassen könnten dabei in die Zeit zwischen der älteren und der jüngeren Schicht gehören. 

 

Dem Gericht Burkhards wurden die Orte Eichelsachsen, Wingershausen, Eschenrod, Busenborn, Breungeshain, Kaulstoß, Sichenhausen, Herchenhain und Hartmannshain, sowie die ausgegangene wüsten Orte Nübel, Reifertshain, Eckarts, Bleistadt, Dittenhain und noch einige weiter entfernte zugeteilt. Mehrmals im Jahr hatten die Gerichtsgenossen unaufgefordert zu den Gerichtstagen nach Burkhards zu kommen, wo vor dem Schöffenstuhl über die meisten Angelegenheiten der Ortschaften verhandelt wurde. Innerhalb des Gerichtes bestand jede Gemeinde für sich. Die Angelegenheiten, die man nicht vor dem Schöffenstuhl in Burkhards verhandelte, hatten ein Bürgermeister und die Dorfversammlung zu besorgen.
 
In der Gemeinde Eichelsachsen standen der Grundherrschaft von Anfang an verschiedene Rechte allein zu: Zehnten, Jagd, Schäferei und Weide, Fischerei, Mühlbetrieb und auch der Ausschank von Alkohol. Im 16. Jahrhundert wurde dieses Recht der Gemeinde nur unter der Bedingung verpachtet, dass sie die Einnahmen für Brücken und Feldwege verwendete und nur guten Wein ausschenkte. Ursprünglich war noch nicht so viel Land gerodet. Da die Gemeinden Eichelsachsen, Wingershausen und Eschenrod außerdem von den 31 ursprünglichen Höfen (Huben) eine gemeinsame Abgabe an Geld, Hafer und Kuhgeld abführten, kann man annehmen, dass sie aus eine gemeinsamen Kern hervorgegangen sind.
 
Um das Jahr 1350, als die Orte alle schon einige hundert Jahre bestanden, wurden zahlreiche von ihnen als Folge der großen Pest wüst. Nach Eichelsachsen sind die Leute von Reifertshain ganz und die von Eckarts und Bleistadt wenigstens teilweise gezogen, wie die heutigen Gemarkungsgrenzen ausweisen. Ganz muss auch der Streithain nach Eichelsachsen gezogen sein, denn er wird im 16. Jahrhundert in die Gemarkung Eichelsachsen gerechnet. Eichelsachsen wurde so größer und hatte 1555 nach Ausweis des Saalbuches im Staatsarchiv Darmstadt über 70 Ackerleute, davon 29 mit Pferden. Am Ort gab es 3 Mühlen und die "Kapelle".
 
Die "Verwaltungsreformen" haben sehr früh angefangen. Da das Kloster Fulda zunächst die Blutgerichtsbarkeit nicht selbst ausüben konnte, musste ein Hochvogt eingesetzt werden. Über die Grafen von Nidda und Ziegenhain ist dieses Amt an die Landgrafen von Hessen gefallen. Als Einnahme bekamen die Hochvögte sofort die Hälfte der Ortschaften zugesprochen. Burkhards und die anderen Orte behielt das Kloster Fulda und hatte dort einen Amtsknecht stehen, bis es schließlich seinen halben Anteil dem Landgrafen verkaufte. Solange Burkhards noch dem Kloster Fulda zustand, hatte der Landgraf seinen Schultheißen in seinem Eichelsachsen. Das ist dann später auch so geblieben.
 
Im 16. und 17. Jahrhundert vererbte sich das Schultheißenamt in der adeligen Familie von Jossa, die sich im Orte einen großen Hof baute, von dem noch der schöne erhaltene Torbogen zeugt.
In Eichelsachsen mussten auch die Abgaben errichtet werden. Dort stand die Zehnscheuer.
Es war für die Orte am Vogelsberg von Vorteil, auf diese Weise an die große Landgrafschaft in Hessen gekommen zu sein. so gehörten sie noch in der Zeit der deutschen Kleinstaaterei, die nun einsetzte, zu einem größerem Gebiet. Die Landgrafen haben dann in weiteren Verwaltungsreformen für die drei peinlichen Fälle die Gerichte von Echzell bis Crainfeld, also auch das Gericht Burkhards, in Nidda zusammengefasst. Zu den 12 Stadtschöffen traten noch aus jedem Gericht 2, also in allen 28 Schöffen zusammen. Für zahlreiche Verwaltungsangelegenheiten wurden in der gleichen Zeit (15./16. Jahrhundert) das Amt Nidda eingerichtet. Für die übrigen Angelegenheiten bleiben weiterhin Schultheiß und Gericht Burkhards zuständig. Unter den Landgrafen ist auch nach 1527 die Reformation eingeführt worden. Die Pfarrei Wingershausen war damals schon aufgeteilt.
 
Als sich zu Ende des 18. Jahrhunderts auf dem Jagdschloss Zwiefalten kein Landgraf mehr aufhielt, wurde der Bau im Zuge einer weiteren Verwaltungsreform Sitz des Amtes Lißberg. Unter diesem Namen wurden die Gerichte Crainfeld, Burkhards und Lißberg vom Amt Nidda abgezweigt. Im Gemeindearchiv kann man noch Rechnungen mit dem Titel "Eichelsachsen- Amt Lißberg" finden. Dieser Zustand hat nur 30 Jahre gedauert.
 
1821 waren im Zuge der neuen Zeit die Leibeigenschaften, Fronden und Grundherrschaften abgeschafft und die benachbarten gräflichen Gebiete nach Gedern und Hirzenhain zu Hessen angegliedert. Die alten Ämter und Gerichte wurden abgeschafft und zunächst kleinere Landkreisen und Amtsgerichte eingerichtet, die dann ebenfalls immer mehr zusammengelegt worden sind.
 
 
Eichelsachsen- gestern und heute

Eichelsachsen ist vermutlich gegen Ende des 8. Jahrhunderts gegründet worden. Eine der glaubwürdigsten Theorien über die Entstehung des Ortes und des Ortsnamens besagt, dass die Gründer Sachsen waren, die von Karl dem Großen nach der Eroberung Sachsen und der Niederwerfung ihres Herzogs Widukind im Jahre 785 im gesamten fränkischem Gebiet verstreut angesiedelt wurden, um ihren Widerstand für alle Zeiten zu brechen. Nehmen wir also an, dass Eichelsachsen im Zuge dieser Sachsendeportationen entstanden ist, was auch viele mundartlichen Ausdrücke zu bestätigen scheinen. Die neue Siedlung wurde kirchlich dem schon bestehenden Wingershausen zugeteilt, da die heidnischen Sachsen dem Christentum erst noch zugeführt werden mussten.
 
Aus der Frühgeschichte des Dorfes ist sehr wenig bekannt. Erstmals wird Eichelsachsen in der Johanniterurkunde aus dem Jahre 1187 erwähnt. Erst die Ortsgeschichte der letzten 350-400 Jahren lässt sich teilweise sehr genau aus alten Aufzeichnungen erforschen. Daraus erfahren wir auch, dass im Dreißigjährigen Krieg zwei Drittel der Bevölkerung durch Kriegseinwirkungen, vor allem aber durch die Pest im Jahre 1635 umkamen.
 
In den nächsten Jahrzehnten aber entwickelte sich Eichelsachsen, u.a. begünstigt durch die nähe vorbeiführende alte Handels- und Heerstraßen Frankfurt- Fulda, wieder zu einem ansehnlichen Dorf. In den Jahren 1722/23 ließ der Landgraf Ernst- Ludwig von Hessen -Darmstadt das Jagdschloss Zwiefalten in seinem Lieblingsrevier erbauen. Die riesigen Forsten zwischen Nidda und Nidder mit ihrem ungeheueren Wildreichtum, die lieblichen Täler und die stillen Fischgewässer hatten es es dem jagdfreudigem Landgrafen angetan. Außerdem führte hier die alte Frankfurter Straße unmittelbar vorüber, und es brauchte nur eine kleine Abzweigung zum Jagdschloss gebaut werden. Zu den glänzenden Hofhaltungen musste Eichelsachsen in erheblichen Maßen beitragen.
 
Zu dieser Zeit war das Dorf auch Verwaltungsmittelpunkt des Oberforsts Eichelsachsen. Dieser Oberforst umfasste den Oberwald, den Eichelsächser Forst und die Fulder Mark (Bingheimer Forst). Das Personal des Oberforstamtes setzte sich aus hohen und niedern Forstbeamten zusammen: dem Oberforstmeister, dem Oberförster, dem Forstsekretarius, dem Forstamtsdiener, dem Lappenknecht und dem Jagdchirurgen. Dazu kam noch der reitende Förster, welcher später im Jagdschloss seinen Wohnsitz bekam. Die Verwaltungsgebäude umfassten das Gartenhaus und die 1735 erbaute Forstschreiberei. Dazu kamen Stallungen und sonstige Wirtschaftsgebäude. Das heutige Dorfgemeinschaftshaus steht im ehemaligen Forstgarten.
 
Wir erkennen, dass dieses stille, abgeschiedene Dorf einst Zeuge vieler Geschehen war. Die Bevölkerung, die fast ausschließlich von der Landwirtschaft lebte, sah höfisches Leben und höfischen Prunk, stöhnte aber selbst unter der damit verbundenen Last. So kam es, dass später viele Bewohner nach Russland oder Amerika auswanderten, wo sie zum Teil noch größere Not vorfanden als in der alten Heimat. Die Zahl der Einwohner, die um Mitte des 19. Jahrhunderts wieder einen Höhenpunkt erreicht hatte, sank bis zum Jahre 1871 auf 590 ab.
 
Noch zu erwähnen ist, dass im gleichen Jahr, in dem das Jagdschloss erbaut wurde, anstelle der früheren, kleinen Kapelle die heutige Filialkirche errichtet wurde. Die Konfirmation jedoch fand bis 1837 in der Pfarrkirche zu Wingershausen statt. Um die Kirche schuf man eine gärtnerische Anlage, und viele Forstamtbedienstete fanden hier ihre letzte Ruhestätte. 1827 erhielt die Kirche eine neue Orgel. Im Jahre 1932 wurde die Kirche im Inneren neu gestaltet, 1961 wurde das alte, schöne Fachwerk freigelegt und im Winter 1966/67 wiederum das Innere renoviert. Ein weitere Höhepunkt im kirchlichen Leben der letzten Jahre war der Bau des evangelischem Gemeindesaals ganz in der Nähe der Kirche.
 
Aber auch die bürgerliche Gemeinde Eichelsachsens war nicht müßig, und es ist erstaunlich, was allein in den vergangen Jahren geleistet wurde. Durch die Zulegung des Eckartsbaches entstand eine moderne, breite Ortsdurchfahrt. Die Baracken des ehemaligen Arbeitdienstlagers wurden abgerissen und an ihrem Platz stehen heute ein Achtfamilienhaus und das im Jahre 1967 eingeweihte Bürgerhaus. Ein neues Ehrenmal auf dem Friedhof, ein neuer Hochbehälter, ein neues Vierfamilienhaus, eine moderne Straßenbeleuchtung und viele andere Errungenschaften der letzten Jahre zeugen darüber hinaus von dem Streben und der Aufgeschlossenheit der Bürger dieser kleinen Gemeinde.
 

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