Webcam Hoherodskopf 

 

 
 

 

 

Breungeshain

Die Lage und Entstehung des Dorfes

 ( Textquelle: Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Breungeshain im Juni 1985)

 

Breungeshain liegt in dem kleinen Tal des Eichelbaches unmittelbar am Fuße des Hoherodskopfes in einer Höhenlage von ungefähr 575 m. Der Ort wird auf drei Seiten von den höchsten Erhebungen des Vogelsberges umgeben., im Nordwesten vom Gackerstein (663m), im Nordosten vom Taufstein (773m), im Osten vom Hoherodskopf (764 m) und im Süden vom Bilstein (666m). Nach Südwesten hin öffnet sich das Tal in Richtung Schotten-Nidda. Im Norden der Gemarkung liegt die Breungeshainer Heide, etwas weiter entfernt das bekannte Hochmoor, sowie die Niddaquelle, der Geiselstein (720 m) und die Goldwiese.

 
Wann Breungeshain genau gegründet worden ist, wurde nicht überliefert. Der Sage nach lebte einst in der heutigen Gegend von Breungeshain ein alter Chatte namens Kaß. Dieser ließ sich taufen. Seine vier Söhne Dietz, Lutz, Götz und Heinz aber beharrten bei ihrem alten Glauben. Darüber erzürnte sich der Alte so sehr, dass er sich von seinen Kindern trennte und in eine unbekannte Gegend ging. Seine Nachkommen bevölkerten die weiteren Täler um den Vogelsberg und gründeten zahlreiche Siedlungen. Mit der Zeit gerieten aber die vier Söhne untereinander in Streit. Da alle Aussöhnungsversuche vergeblich waren, trafen sie sich eines Tages mit ihren Sippen auf der Heide zwischen dem heutigen Taufstein und dem Hoherodskopf, um ihren Streit mit den Waffen auszutragen. Schon standen sie sich zum Kampfe gerüstet gegenüber, als plötzlich der alte Kaß unerkannt unter sie trat. Er ermahnte seine Söhne zum Frieden, und als diese ihren alten Vater erkannten, legten sie die Waffen nieder und erklärten sich bereit das Christentum anzunehmen. Ein Stein wurde zum Becken behauen. Dort taufte der alte Kaß alle seine Nachkommen und lebte noch viele Jahre auf diesem Berge, der von da an den Namen Taufstein erhielt. Ein Enkel des Kaß, Bruno, blieb bei ihm bis zu seinem Tode. Er baute in der Nähe des Taufsteines und des Hoherodskopfes ein Kirchlein in dessen Inneren er den Leichnam des alten Kaß beisetzte. Brunos Nochkommen aber, die Bruninger, siedelten sich in der Nähe des Kirchleins an. Ihr Wohnort hieß Bruningshain und wird jetzt Breungeshain genannt. Soweit die Sage. Auch das Bonifatius in der hiesigen Gegend gewirkt haben soll, wird vermutet, steht aber geschichtlich nicht fest. Möglich ist es jedoch, da einige Stellen in der umliegenden Gegend nach ihm benannt wurden; zum Beispiel der Bonifatius-Brunnen auf dem Taufstein.
 
Es ist gelungen, viele Orte mit altertümlichen Namen in verschiedenen Siedlungsperioden einzureihen. Breungeshain fällt danach in die 3. Siedlungsperiode, die auch als die große Rodungsperiode (etwa um 800- 1300 n. Chr.) bekannt ist.

Um neuen Boden für Land zu gewinnen, stiegen damals die Siedler aus den Tälern und Niederungen der Wetterau in die Regionen der Basaltböden des Oberwaldes hinauf und drängten den Wald immer weiter zurück. Die Mehrzahl der Namen dieser neu gegründeten Dörfer enden auf -rod, -rode, -hagen und -hain. Die -hain Orte liegen noch höher als die -rod Orte, sie sind also jünger als diese.
 
Aufgrund der Überlieferung soll jedoch das alte Dorf Breungeshain weiter hangaufwärts in der Nähe dieses oben schon erwähnten Kirchleins gelegen haben. Über den genauen Ort gibt es jedoch widersprüchliche Meinungen. Einerseits spricht man davon, dass der Ort in der Nähe des heutigen Friedhofes gelegen haben soll, wo auch angeblich die erste Kirche gestanden hat. Andere wiederum vertreten die Meinung, dass das Dorf noch weiter oben in der Nähe der Quelle des Eichelbaches gelegen habe. Warum das alte Breungeshain von seinen Bewohnern verlassen und aufgegeben wurde, kann auch nur vermutet werden. Viele vertreten die Meinung, dass das Klima eine entscheidende Rolle für den Standort weiter talabwärts gespielt habe. Zweifellos ist die heutige Dorflage klimatisch günstiger als die alte, weil sie mehr Windgeschütz bietet. Manche Forscher vertreten jedoch die Meinung, dass das Klima alleine nicht der Grund für die Verlegung des Dorfes an seine heutige Stelle gewesen sei.
 
 
Die Kirchen des Dorfes
 
Um das Jahr 1000 n. Chr. versuchte man vom Kloster Fulda aus, dem das hiesige Gebiet damals gehörte, neue Pfarreien gegen die zur gleichen Zeit von schottischen Missionaren gegründete schottisch-straßburgische Kirche anzulegen. So gründete der damalige Erzbischof von Mainz im Jahre 1016 Kirche und Pfarrei von Wingershausen und erhob diese zu einer Mutterkirche. Diesem Kirchenspiel wurde auch die Gemarkung Breungeshain zugeteilt. Die erste urkundliche Erwähnung findet Breungeshain in einer Mainzer Urkunde aus dem Jahre 1067. Nach dieser Urkunde verleiht Erzbischof Siegfried von Mainz am 25. März 1067 der bereits schon früher erbauten Kirche zu Breungeshain die Eigenschaft einer Mutterkirche, weiht sie als solche ein und verleiht ihr den noch nicht gegebenen Zehnten der Pfarrei von Wingershausen. Die 1067 geweihte und als Mutterkirche bestätigte erste Breungeshainer Kirche ist nicht mehr vorhanden. Sie stand am oder auf dem Hoherodskopf gelegenen Friedhof. Die heute auf ihm noch zu sehenden Grundmauern stammen von einer um 1300 erbauten Kirche. Da in dieser Zeit im Dorfe eine Kirche erbaut wurde, fand der Gottesdienst nun in der neuen Dorf- oder Unterkirche satt, die Feld- oder Oberkirche wurde nur noch zur Abhaltung von Leichenpredigen benutzt. Um 1700 wurde sie, da sie baufällig geworden war, bis auf die hohen Mauern abgebrochen. Diese blieben noch etwa 100 Jahre stehen und wurden um 1800 niedergelegt. Wann die erste Dorfkirche erbaut wurde, ist nicht überliefert. Sie wird aber schon 1599 erwähnt. Der Grund für den neuen Bau einer neuen Kirche war, dass nach der Verlegung des Dorfes weiter Eichelabwärts, die alte zu weit vom Dorf lag. Im 30-jährigen Krieg erlitten beide Kirchen erhebliche Schäden. Trotzdem wurde 1639, also mitten in diesem schrecklichen Krieg, eine bedeutende Reparatur an der Dorfkirche vorgenommen.
Im Jahre 1972 wurde eine Elektroheizung eingebaut sowie die Sitzbänke und der Fußboden im Schiff erneuert. Des weiteren wurde das gesamte Fachwerk im Jahre 1983 überarbeitet und neu gestrichen.
 
 
Die Bedeutung von Breungeshain im Mittelalter
 
Nach der ersten Erwähnung von Breungeshain im Jahre 1067 erfahren wir erst wieder im 14. Jahrhundert etwas über die Geschichte des Dorfes. Aus zwei Urkunden aus den Jahren 1324 und 1348 geht hervor, dass das Antoniter-Kloster zu Grünberg Teile von Breungeshain in seinem Besitz hatte. Ihm gehörte auch die Kirche, was durch das Antoniter-Kreuz, das sich noch heute auf der Kirche befindet, dokumentiert ist. Aus der Breungeshainer Kirchenchronik erfahren wir, dass die Schenken zu Schweinsberg 1314 Dorf und Burg zu Lehen hatten. Sie bewohnten zu Breungeshain eine kleine, aber sehr feste, von Wall und Wassergraben umgebende Burg, das "Burghaus" genannt. Wahrscheinlich wurde die Breungeshainer Burg im Jahre 1382 zusammen mit der Alteburg und dem Schloss in Schotten von dem Rheinischen Städtebund zerstört. 

Kirche, Burg und Dorf verdanken ihr Dasein der wichtigen Passlage. Denn in nächster Nähe überschreiten Nidda- und Niddastraße den Gipfel des Vogelsberges. Wer diese Pässe in der Hand hatte, konnte alle Transporte kontrollieren, konnte die Fahrten ermöglichen, durch Vorspann beschleunigen und erleichtern, konnte sie aber auch verhindern. Die Besatzung der Burg hatte die Straßen zu sichern, die Kirche am Fuße der Kuppe ermöglichte Bitt- und Dankesopfer vor oder nach dem beschwerlichen Übergang. Breungeshain war also nicht ein einsames Dorf im weltvergessenem Winkel, sondern eine sehr wichtige Passsicherung  an uralten Fernstraßen. Auf den alten Höhenstraßen vollzog sich von ältesten Zeiten her der Verkehr von der Wetterau aus in Richtung Fulda, Hersfeld usw. Transporte, die von der Niddastraße abzweigend den Niddastraßenpass bei Herchenhain erreichen wollten, benutzten die Verbindungsstraße zwischen Breungeshain und Sichenhausen. An der Stelle, wo diese "Sichenhäuser Straße" den Eichelbach in einer Furt querte, entstand das zweite Dorf Breungeshain, da das Überqueren des Eichelbaches Schwierigkeiten bereitete und Hilfe erforderlich werden ließ. So entstanden hier die ersten Häuser am Eichelbach. Hinzu kam, dass durch die vorhandene Burg die Bewohner des alten Breungeshain das Oberdorf nach und nach aufgaben und sich in der Nähe der Burg ansiedelten, da sie sich hier sicherer fühlten. Auch unter dem 30-jährigen Krieg hatte Breungeshain zu leiden. 1621 und 1622 plünderte das Kriegsvolk die Oberkirche und zerschlug die Fenster der Unterkirche, während es im Dorfe noch "andere Greuel" verübte. 1634 stahlen die Schweden einen Teil der Opfer aus der Dorfkirche. Zu der Kriegsnot kam dann auch noch die Pest. Nach einem Bericht war die Zahl der Männer durch Krieg und Pest im Jahre 1636 auf 24 herabgesunken. 1652 hatte Breungeshain 27 Familien mit etwa 121  Einwohnern. Auch im 7-jährigen Krieg hatten das Dorf und die Bevölkerung unter den Kriegsereignissen zu leiden. 1760 sollen französische Truppen geplündert und "gehaust" haben.
 
 
Die Entwicklung von Breungeshain von 1800 bis heute

Aus den Jahren von 1840- 1850 wird von vielen Missernten berichtet, die dazu führten, dass viele Leute in den folgenden Jahren nach Amerika auswanderten. Breungeshain hatte am 03.12.1852 noch 546 Einwohner. Diese Zahl verringerte sich jedoch in den folgenden Jahren recht schnell. So waren es 1864 nur noch 368 Einwohner. Im Jahre 1970 verlor die Gemeinde Breungeshain ihre Selbstständigkeit, als sie sich bei der Gebietsreform mit der Stadt Schotten zusammenschloss. Als Stadtteil von Schotten gehört Breungeshain seit 1972 zu dem neu gegründeten Vogelsbergkreis. 

 
Breungeshain, der Vogelsberg und die heutige Zeit
 
Breungeshain hat sich wie viele andere Dörfer des Vogelsberges im Laufe der letzten 50 Jahre von einem reinen Bauerndorf in ein Gemeinde verwandelt, in der heute niemand mehr von dem alleinigen Beruf des Landwirtes lebt. Die Familien, die heute noch Landwirtschaft betreiben, tun dies nur noch als Nebenerwerb nach Feierabend und an den Wochenenden. Fast alle Männer fahren nach außerhalb, um in den benachbarten Städten wie Schotten, Nidda, Gießen oder sogar Frankfurt ihren Lebensunterhalt für sich und ihre Familie zu verdienen. In früheren Jahren gab es noch einen Gesangsverein, einen Kriegerverein, einen Verkehrsverein und in jüngerer Zeit einen Ski-Club, doch all diese Vereine haben sich wieder aufgelöst.
 

 

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