Barrierefreie Darstellung Barrierefrei   Kontakt   Sitemap   Impressum   E-Mail senden Aktuelle Seite drucken
Schotten - Stadt am grünen Vulkan
städtebaulicher Fachbeitrag
Suchen
Suchen

 

Webcam Hoherodskopf 

 

 
 

 

 

6. Innenraumgestaltung

 

6 a Fußböden

 

Früher wurden die Erne meist mit Natursteinplatten belegt, um die vorletzte Jahrhundertwende kamen die Terrazzoböden dazu – heute meist Fliesenbelag. Alle übrigen Wohn- und Schlafräume besaßen Holzdielenböden, die regelmäßig gewachst wurden. Heute gibt es eine Vielzahl von Fußbodenarten, immer mehr setzen sich die Laminate durch. Doch der Fußboden sollte angenehm warm sein, aber auch hart genug, der Abnutzung stand zu halten.

 

 Grundsätzlich sollte man diffusionsoffene Böden verwenden, da die natürlichen Baumaterialien wie Holzbalken und Lehmdecken „atmen“ müssen. In der Regel findet man auf dem Markt eine Vielzahl von ausgezeichneten Holzböden, die man mit einem natürlichen Hartöl beschichten kann. Bei einer Förderung der Innenböden (das liegt an dem Umfang der Maßnahme) können auch Linoleum, Fliesen, Terrakotta, Holzpflaster oder Kork gefördert werden. Künstliche Materialien, Teppich- und Gummiböden sind auszuschließen. Die Häuser sollten in zwei Zonen eingeteilt werden: stark frequentierte Bereiche mit härteren Materialien wie Terrakotta, Fliesen oder Hartholz, privatere Bereiche wie Wohn- und Schlafzimmer mit weicheren Materialien wie Linoleum, Kork oder Fußbodendielen.

 
 6 b Wände, Decken
 
Früher waren die Wände und Decken gekalkt, um 1900 kam die Leimfarbe auf, und seit den 50er Jahren kennen wir vorwiegend aus Kunststoffen hergestellte Farben und Tapeten. Diese haben aber auf Dauer viel Verdruss verursacht, da sie die Wände immer dichter machen und dies zu Schimmelbildung und Abplatzungen führt. Heute kommt man wieder auf die positiven Eigenschaften von Lehm und Kalk zurück, die sich über Jahrtausende bewährt haben.
 
 Eine einfache Innensanierung kann Teil einer größeren Förderung sein, für sich genommen wird sie nur in Ausnahmefällen gefördert. Insbesondere sind begleitende energetische Maßnahmen durchzuführen, die der aktuellen EnEV Genüge tun. Dabei sollten natürlichen Farben und Lacke eingesetzt werden, die die Konstruktion und die Innenflächen diffusionsoffen halten, damit keine Schäden entstehen. Viele alte Eichenbalken sind auch ohne Beschichtung haltbar und schön.
 
 
 

 

6 c Einbauten

 

Selten genug findet man in alten Gebäuden noch die ältere Ausstattung. Diese wurde bei einer Renovierung in den 50/60er Jahren zuerst abgerissen. Nur die Treppe blieb oft sehr lange in den Häusern erhalten. Die gute Stube war meist mit einer Lamperie ausgestattet, die sich über die ganze äußere Wand abwickelte. Auch in den 50er Jahren gab es zeitgemäße Einbauten, die teilweise schon überformt oder abgerissen sind.

 
 
 Gestemmte Treppe                                                                                                       Treppenhaus
 

 Wenn zeitgenössische Einbauten noch erhalten sind, sollte in jedem Fall überprüft werden, ob man sie restaurieren und halten kann. Oft kann man wie bei einer abgängigen Treppe die gut erhaltenen Geländerpfosten oder -stäbe integrieren. Auch bei älteren Innentüren (Füllungstüren) mit vorhandenen handwerklich hergestellten Zargen ist ein Verbleib zu prüfen. Typische platzsparende 50er Jahre Schrankeinbauten haben ebenso ihre Berechtigung, wie die mit einfachen Ornamenten versehenen Geländerstäbe und Treppenläufe. Beim Neubau von Treppen und Innentüren orientiert man sich an dem überlieferten Vorbildern und setzt diese in einer schlichteren Weise um. Wichtig ist immer die handwerkliche Ablesbarkeit der Werke.

 

 

6 d Energie, Bad
 

Früher saß die ganze Familie um den Herd, die Schlafräume blieben kalt. Man brauchte nur ein Bruchteil der Energie, die heute benötigt wird. Nach dem Krieg ersetzen erst die Einzelöfen, später die Zentralheizungen auf Kohle oder Ölbasis den archaischen Brauch des „ums Feuer Sitzens". Von nun ab war jeder Raum gleichmäßig beheizt und das von morgens bis abends. Im Zuge der Energie- und Ölkrise kommen seit etwa 15 Jahren neue Möglichkeiten auf den Markt, die für jeden einzelnen Fall geprüft werden müssen.

 
 
 Reduit-Prinzip bei früheren Bauernhäuser
 

 Förderbar ist grundsätzlich der Ersteinbau oder die Erneuerung einer Heizung. Bei Förderung von vorhandenen zentralen Heizsystemen und Sanitärbereichen (auch Austausch und Erneuerung) gibt es zu beachten, dass bei dieser Anpassung an zeit- und nutzergerechte Wohnstandards eine Investition von mind. 50% in konstruktive Bereiche zu erfolgen hat (KG 330-360). Nicht zuschussfähig sind Sanitärobjekte, Ausstattungs- und Einrichtungsgegenstände.

 

Ideal für alte Bauernhäuser wären Heizungsunterstützende Kachelöfen, da sie der Strahlungswärme der früheren Wärmequellen am besten entsprechen. Wärmepumpen entfallen aufgrund der verlangten Fußbodenheizung, können aber bei Scheunenausbauten gut eingesetzt werden. Effektive Pellets- und Holzhackschnitzelheizung sind auch gut möglich, da der erforderliche Platzbedarf in den leerstehenden landwirtschaftlichen Gebäuden leicht untergebracht werden kann. Ausnahmsweise werden auch Gasbrennwert- oder Ölbrennwertkessel erlaubt. Photovoltaik-Anlagen werden im Gegensatz zu kleinformatigen Solarthermieanlagen nicht gefördert.

 

 

7. Abriss, Anbauten und Neubauten

 

7 a Bestehende Neubauten in Dorfgebieten

 

In den letzten 40 Jahren sind einige Neubauten in die alten Dorfbereiche hineingebaut worden, die zwar überwiegend die Matrix des Dorfgrundrisses beibehalten, die aber durch ihre massive und unproportionierte Erscheinung störend wirken: weiß geputzte Außenwände, asymmetrisch gestaltete Fenster, Massivbalkone/Loggien als Einschnitte in die Kubatur, flach geneigte Eternit- oder Betonstein-Dächer, Alu-Haustüren, PVC-Fenster und geflieste Sockel. In einigen Dorfkernen sind die Wohnteile der alten Häuser beibehalten und der ehemalige landwirtschaftliche Teil durch Massivbauten ersetzt.

 
 
                                                  Einhausung eines Balkons eines 60-er Jahre Bau
 

 Wiedereinbindung der Wohnhäuser durch steilere Dachneigungen und Abdeckung mit Tonziegel, eventuell Verschalen eines Geschosses, Einhausung von Balkonen und Loggien, symmetrisch gestaltete Fensteraufteilung und Anlegen von farbigen oder plastisch gestalteten Faschen, farbige Beschichtung und Gestaltung der Außenwände, Einbau von handwerklich hergestellten Haustüren und Seitenlichter.

 

7 b Abriss und Teilabbruch

 

In den 60er und 70er Jahren wurden landwirtschaftliche Höfe in den Dorfkernen der Dörfer großzügig erweitert. Dies führte immer zum verstärkten Versiegeln des nahen Wohnumfelds und in Teilbereichen zum Ausfransen der Dorfränder. Heute stehen diese Scheunen und Ställe leer und bieten kein dorfgerechtes Umfeld. Hinzu kommen – verstärkt durch den demografischen Wandel – leerstehende Wohn- und Bauernhäuser, die aus vielen Gründen keiner mehr haben will: schlecht isolierte Außenhüllen, niedrige Decken, dunkle Räume, mangelnde Hygiene, wenig freies Land direkt um die Gebäude, teurer Umbau usw. In der Regel lassen sich die Fachwerkwohnhäuser aber zu zeitgemäßen Wohnhäusern umbauen, wenn man entsprechende Beratung und Aufklärung in Anspruch nimmt.

 

 Ehemalige landwirtschaftliche Gebäude aus der Nachkriegszeit, die ohne Einfühlung ins dörfliche Umfeld errichtet wurden, können meist ohne Probleme abgerissen werden. Das schafft Freiräume und Luft für die verbleibenden Gebäude. Beim Abriss von älteren Bauernhäusern/Scheunen sollte man größere Sorgfalt walten lassen, da diese immer einen wichtigen Beitrag zur dörflichen Kubatur, zur handwerklichen Kultur, sowie zum überlieferten Sozialgefüge darstellen und ein Dorf unverwechselbar machen. Im Einzelfall sind in Absprache mit dem Amt für Denkmalpflege Abrisse unumgänglich (irreparable Schäden an Häusern, Einsturzgefahr). Auch wenn ein begrenztes hochwertiges dörfliches Neubauprojekt innerhalb der Ortskerne entsteht, sind Abrisse zu prüfen.

 
 7 c An- und Neubauten
 
In nächster Zukunft werden verstärkt Neubauten in den Dorfkernen entstehen, die vorhandene Baulücken, Plätze von abgerissenen Scheunen oder Freibereiche besetzen werden. Alleine aus erschließungstechnischen Gründen ist ein Neubau innerhalb eines bestehenden Haus- und Leitungsgefüges vernünftig und nachhaltig. Dabei sollten nicht die Fehler der 60er und 70er Jahre wiederholt werden, unproportionierte und fremdartige Neubauten zwischen die alten Häuser zu setzen.
 

Mögliche Neubaukubaturen in den Vogelsbergdörfern Schottens

 
 

Mögliche Neubaukubaturen in den Wetterau-Dörfern Schottens

 

 Die neuen Gebäude sollten schlicht und mit Maß, aber selbstbewusst und ohne Anbiederung in die Dorfkerne eingefügt werden. Dabei sollen die regionalen Besonderheiten ihre Berücksichtigung finden. Für Schottener Dörfer sind zwei Arten von Neubaukubaturen möglich :

 

In den Vogelsbergdörfern: die zweigeschossigen rechteckigen Satteldachhäuser in Anlehnung an das allgegenwärtige Einhaus, mit einem erkennbaren ausgleichenden Sockelgeschoss.

 

In den Wetterauer Dörfern: verschiedene Breiten der Wohnhäuser (6,0 - 9,0 m) und alle Arten von Hofstrukturen mit quer stehender oder parallel dahinterstehenden Scheune, oder zwei giebelständige schmale Häuser mit flachem Verbindungsbau, in unterschiedlicher Kombination.

 

Für alle Neubauten gilt: Dörferbauliche Einbindung in Raumkanten, Fluchten und Straßenansichten, Proportion und richtige Materialwahl. Möglich sind geputzte Massivbauten und vor allem verschindelte oder geschalte Holzrahmenbauten, die die Tradition der überlieferten Holzbauweise im Vogelsberg und der Wetterau optimal und zeitgemäß weiterführen. Mit außenliegender Holzweichfaserplatte können die Holzbauten auch verputzt werden. Fenster sind auch als Pärchen oder Drilling auszubilden, großformatige Verglasungen sind ausreichend zu unterteilen.

 

Neues Gemeindehaus in Einartshausen

 
 
 Geplanter Neubau in Busenborn
 

Kleinere Anbauten und Erweiterungen können gestalterisch eine moderne Sprache sprechen, wenn die Haupthäuser gut eingebunden sind. Hier sollte die dörferbauliche Hofstruktur der Dörfer Beachtung finden. Balkone, Erker und Dacheinschnitte sind untypische städtische Bauweisen, die auf dem Dorf vermieden werden sollen. Balkone als notwendige Verbesserung des Wohnumfeldes können in Holz oder verzinktem Stahl zurückhaltend als selbstständige Konstruktion gebaut werden (bevorzugt an den Hinterseiten der Häuser).

 

7 d Landwirtschaftliche und Gewerbliche Bauten

 

In den Nachkriegszeiten und in den Zeiten des Wirtschaftswunders wurden die neuen landwirtschaftlichen und gewerblichen Gebäude sehr selbstbewusst und mit modernen Materialien in die dörfliche Struktur hineingebaut. Selten wurde auf die jeweilige Siedlungskubatur und Baugeschichte Rücksicht genommen. In den Schötter Dörfern waren dies vor allem großformatige landwirtschaftliche Bauten mit Eternitdeckung und -bekleidung. Heute werden die großen Ställe in Holzbauweise vor die Dörfer gebaut und die alten Ställe/Scheunen innerhalb der Dörfer verfallen…oder sie werden für gewerbliche Zwecke umgenutzt.

 
 

 Verfallene Scheune und untypischer Neubau am Ortsrand von Kaulstoß

 
 In Anknüpfung an die früheren Lebens- und Arbeitsgemeinschaften des Dorfes sind gewerbliche und landwirtschaftliche Projekte besonders förderwürdig. Verbleibende oder umgenutzte landwirtschaftliche Bauten im Dorf sind durch Holzverschalungen und Ziegeldeckungen der überlieferten Fassadenbauweise anzupassen. Im Einzelfall können die strengen Gestaltungsregelungen, die für die Wohnhäuser gelten, auch verändert werden. Bei neuen Gebäuden sind die Ortsränder und die Topografie zu beachten, den First der gewerblichen und landwirtschaftlichen Hauptgebäude in der Hauptsiedlungsrichtung des Dorfes einzurichten. Bei größeren Bauten am Rande der Dörfer ist deren Schutzwirkung für die Siedlung auszunutzen und den Übergang zur Landschaft natürlich zu gestalten.

 

8.Fazit

 

Die vorliegende „Mustersprache“ dient als Handlungsrahmen für alle baulichen Prozesse in den Dörfern Schottens – entsprechend der Forderung der Dorfentwicklung „die Vielfalt dörflicher Lebensformen und das bau- und kulturgeschichtliche Erbe zu bewahren und weiter zu entwickeln“.

 

Die Eingrenzung der Fördergebiete folgt ursächlich auf die Bestandsaufnahme der dörflichen Phänomene vom Naturraum über den Dorfrand zur Mitte, von der Siedlung über Haus und Hof zum Material. Dabei erscheinen die denkmalgeschützten Bereiche mit den Einzeldenkmälern als innerster Kern der Dörfer.

 

Im Zuge der Neubetrachtung der Dörfer im regionalen Netzwerk der Stadt Schotten und des zukünftigen Geoparks der Vulkanregion Vogelsberg gilt es, jeweils die ortstypischen Besonderheiten herauszustellen und zu pflegen. Jedes Dorf hat mindestens ein bzw. mehrere Merkmale, die in das Geoparkkonzept miteinbezogen werden können. Dabei werden geologische, landschaftstypische, bauliche und kulturelle Besonderheiten jedem Dorf seine Bestimmung geben. Erst durch eine stärkere Bindung der Ortschaften an Schotten unter einem Thema, erhalten sie ihre neuen Wertigkeiten und werden durch die Interaktion noch viel stärker zu „Stadtteilen“. Durch die neue Betrachtung der Dörfer unter dem Licht des Geoparks können zukünftige Entwicklungen leichter gestaltet werden.

 

Durch den demografischen Wandel und den zunehmenden Druck auf die Innendörfer – weil kein Bauland mehr ausgewiesen wird – muss man die Gratwanderung zwischen dem sachgerechtem Erhalten einerseits und dem Neuerfinden des Dorfes andererseits vom Grunde auf neu beginnen. Nur mit einem achtungsvollen Blick auf die handwerklichen und baulichen Leistungen der Vorfahren, die ohne Maschinen, ohne Freizeit und ohne Förderung ihre Werke erstellt haben, kann die Zukunft der Dörfer gemeistert werden. Dabei sollen keine seelenlose Kopien der historisches Vorbilder geschaffen, sondern durch das richtige Einfügen heutiger Bauweisen eine Sprache gefunden werden, die die historischen Fragestellungen wie Topografie, Proportion, Schlichtheit, Materialgerechtigkeit und Energie mit einbezieht.

 

Schotten mit seinem Dörfern und dem Hoherodskopf versteht sich als Zentrum des zukünftigen Geoparks und hält durch seine Lage eine starke Verbindung zum Rhein-Main-Gebiet – vor allem für den Tages- und Wochenendtourismus. Da liegt es nahe, alle Dörfer mit ihren Eigenheiten und Besonderheiten in das Tourismuskonzept mit einzubeziehen, um ihnen eine Zukunftschance zu geben.

 

Zusätzliche Informationen anfordern... Zusätzliche Informationen anfordern...

Kontakt
Stadtverwaltung Schotten
Vogelsbergstraße 184
63679 Schotten                  
 

Tel. 06044-66 0

Fax: 06044-66 69

E-Mail: info@schotten.de

 

Rückruf-Service 

 
Anregungen, Beschwerden, Wünsche
 

Öffnungszeiten Stadtverwaltung

Montag - Freitag  

8.00 - 12.30 Uhr

Donnerstag  

13.30 - 18.00 Uhr

oder nach Terminvereinbarung

 

Öffnungszeiten Bürgerbüro