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Schotten - Stadt am grünen Vulkan
städtebaulicher Fachbeitrag
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 Dachmaterial und Farbe
 

Die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gebräuchlichen Tonziegel werden als Doppelmuldenfalz, als S-Pfanne oder als Reformpfanne eingesetzt. An manch älteren Gebäuden wie Mühlen und Hofanlagen, sowie auf den steilen Dächer der Nachkriegsbauten finden wir im Schottener Raum auch Biberschwänze. Die seit den 60er Jahren einsetzende Deckung mit Betonziegel und Wellplatten bei dörflichen Gebäuden erzeugten fahle, einheitliche Flächen, die es zu vermeiden gilt.

 

Die überwiegende Farbe der Dachziegel in Schötter Dörfern ist rot oder rotbraun. In Dorfbereichen der vorletzten Jahrhundertwende, wo große Brände wüteten tauchen auch schwarze oder anthrazitfarbene Ziegel auf.

 

Dachlandschaft in Betzenrod
 

 Die regionaltypische Dachdeckung der Dörfer ist, der rote, nicht engobierte Tonziegel – in Teilbereichen (Häuser um die Jahrhundertwende) können auch anthrazitfarbene Tonziegel verwendet werden. Die Dachziegelform muss immer im unmittelbaren Ensemble der Häuser entschieden werden. Wichtig ist die Kleinformatigkeit (mind. 12 St/m²) der Ziegel, die in den Formen Doppelmuldenfalz, -Pfanne oder Reformpfanne zur Anwendung kommen. Weniger gut sind Flachdachpfannen, die eher Gebäude der Neubaugebiete (Neigung unter 30 Grad) abdecken.

 

Für die Haupthäuser werden naturrote oder matte Einfachengoben empfohlen, Edelengoben oder glasierte Ziegel sind nicht erlaubt. Für untergeordnete flachere Dächer, Nebengebäude und Ställe können im Ausnahmefall auch Betonziegel, Stahl-, Zinkbleche, Bitumenschindel oder Flachdachfolien verwendet werden. Im Einzelfall können besondere Gebäude oder Gebäudeteile auch geschiefert werden. Alumaterial, Kunststoffplatten oder ähnliches sind als Dachdeckungsmaterial ausgeschlossen.

 

Dachüberstände

 

Dünne Traufen und schmale Ortgänge sind im Vogelsberg seit alters her üblich. Bei den eher horizontal auftretenden Stürmen und Regenschauer hätte ein Dachüberstand auch wenig genützt. Man baute materialsparend und sorgte dafür, dass Pfetten und Sparren in der geschützten Konstruktion blieben. Die dünnen Dachkanten verstärken im Zusammenhang mit kleinteiligen Ziegeln den Schuppenpanzereffekt des Daches und betonen die ursprüngliche Kubatur, hingegen haben die um 1900 errichtete Bauten meistens auskragende Pfettenköpfe mit Bügen und Ornamentik, sowie Flugsparren. Auch in den heutigen Veränderungen der Dachlandschaften werden die großen Pfetten sichtbar gemacht und mit Flugsparren versehen.

 

Deutliches Absetzen der Kubaturen, kleine Dachüberstände

 

Haus im Heimatschutzstil in Schotten

 

 Alle Dachüberstände in den Dorfkernen sollen eine möglichst unaufdringliche Erscheinung haben. Möglich sind Zahnleisten, Windbretter – mit Zink- oder Kupferblechabdeckung mit innenliegender Rinne, oder auch Ortgangziegel mit leichter Auskragung. (Bei Biberschwanzdeckung in jedem Fall Zahnleiste statt Ortgangziegel).

 

Die Breite der Ortgänge sollte 25 cm(ein Ortgangbrett) nicht überschreiten, für Traufen gilt das doppelte Maß (50 cm).

 

Auskragende Pfetten mit Flugsparren sind nur dann erlaubt, wenn sie ein Kennzeichen der Architektur in der Zeit von 1880-1940 waren (Schweizer Stil, Jugendstil, Heimatschutzstil). Eingespeiste Ortgangziegel sind nur im Zusammenhang mit Brandwänden oder Giebelwänden der 50er Jahre-Häuser üblich.

 

Bei den Traufen sind Gesimskästen möglichst zu vermeiden, eher sollen die Traufüberstände mit einer sichtbaren Rauhspundschalung auf den Sparrenendungen abgedeckt werden.

 

Dachaufbauten und Kamine

 

Die klaren Dachflächen der überlieferten Bauten sind selten durch Gaupen gestört. Erst in den 50er Jahren kamen verstärkt Ladeluken auf die Dächer, um die Strohballen einzufahren. Im Zuge der ersten Ausbauphasen der ehemaligen Bauernhäuser in den 80er Jahren wurden verschiedenste Schlepp- und Giebelgaupen auf die Dachflächen aufgesetzt. 50er Jahre-Häuser hatten meist schon von Beginn an mittige lange Schleppdachgaupen, die den Wohnraum im Dachgeschoss gut belichteten.

 

Kamine waren früher immer mit Backsteinen gemauert, mit einer gemauerten Ringverstärkung als Abschluss. Seit es die Fertigteile gibt, werden die Kamine entweder verputzt, verklinkert oder mit (Kunst)schiefer verkleidet, seltener sind Blechverkleidungen.

 
 
 Durch die verstärkten Bedürfnisse, Dachflächen als Wohnräume zu benutzen, werden Gaupen zu einem neuen stilprägenden Element in der Dorflandschaft. Grundsätzlich gibt es zwei Arten der Behandlung solcher Dachstörungen: Entweder man passt sich – bei geringem Belichtungs- und Stehhöhenbedarf – an die früheren Luken und kleinen Dachgaupen an oder man setzt mit modern gestalteten Gaupen einen Gegenpol, der aber auf keinen Fall die Dachfläche beherrschen sollte. Die kleinen Gaupen sollten nicht breiter als 1,50 m sein und ca. 2,0 m vom Rand der Dachfläche weg sitzen. Die Gestaltung erfolgt wie beim Haupthaus mit Ziegeldeckung, Holz- oder Schieferverschalung an den Wangen und kleineren Dachrinnen/Fallrohren. Die Gestaltung von modernen Gaupen muss im Einzelfall entschieden werden. In jedem Fall sind die Proportionen und das Achsmaß der darunter liegenden Hauptfassaden zu beachten. Bei den Kaminen sind die mit Schiefer oder Blech verschalten gegenüber den verputzten und verklinkerten vorzuziehen. Hierbei ist darauf zu achten, dass keine PVC-Winkel oder Alukantteile verwendet werden.

 

5 c Sockel

 

Holzbauten benötigen einen Sockel aus Steinen, damit aufsteigende Feuchtigkeit, sowie die Wettereinflüsse von der Wandkonstruktion fern gehalten werden. Gerade in dem hügeligen Bereich, in dem sich die meisten Schötter Dörfer befinden, werden die Natursteinsockel zu prägenden Bauteilen. Erstaunlicherweise gibt es auch sehr viele Nebengebäude mit Natursteinmauern, die für das einprägsame Ortsbild der Schötter Dörfer eine große Rolle spielen. Im Vogelsberg zeigt sich hier die harmonische Verbindung der gebauten Welt mit ihrem Untergrund, dem Vulkangebirge. In der überwiegenden Anzahl sind diese bei historischen Bauten mit Basaltsteinen – gelesen oder behauen – gemauert. Als Eckpilaster sind meist Sandsteine oder Basalttuffsteine verwendet, die sich gut bearbeiten ließen. Öffnungen sind mit einem Backsteinziegel- oder Sandsteinsturz überspannt. In der heutigen Zeit sind viele Natursteinsockel verputzt oder verklinkert, oft zeigen sich gerade hier enorme Frostschäden.

 

Nebengebäude in Burkhards

 

 Die typischen Basaltsteinsockel und -wände sind auf jeden Fall zu erhalten, bzw. freizulegen. Falls sie nicht mehr vorhanden sind, sind die Sockel glatt zu verputzen und in einem gedeckten Basalt- oder Sandsteinfarbton zu streichen. Eine Rekonstruktion mit aufgeklebten Naturstein- oder Basaltsteinplatten ist aus frostschutztechnischen Gründen zu vermeiden.

 

5 d Fassaden

 

Die Schötter Dörfer im haben ein unterschiedliches Erscheinungsbild. Vorherrschend bei den Wohnhäusern ist das sichtbare Fachwerk, das in den eng bebauten Ortskernen meist auch zur Wetterseite hin offen ist.

 

Dabei sind die ursprünglichen Fachwerk-Wände der Ställe schon längst durch Backstein- oder Basaltseinfassaden ersetzt. Die leicht variierenden Ordnungen der Fachwerke mit Schwellen, Ständer, Riegel, Rähm und Strebe schafft eine stille Verwandtschaft zwischen den Häusern, die für den positiven Dorfeindruck von entscheidender Bedeutung ist. In einigen westlichen Dörfern wie Einartshausen und Eichelsachen gibt es auch Kratzputzornamentik.

 

Fast alle späteren Aus- und Anbauten nach dem Krieg sind in Massivbauweise ausgeführt, was den Gesamteindruck erheblich schmälert. Ebenso sind auch die der Wetterseite zugewandten Fassaden in erheblichem Maße verändert worden – durch die Einführung von Eternit-Wellplatten oder Bitumenplatten-Verschalungen sowie durch das großzügige Verändern von Öffnungen.

 

Altes Mühlengebäude in Breungeshain

 

 Fassaden sind entsprechend den überlieferten Proportionen so zu gestalten, dass einerseits der einmalige überlieferte Hauscharakter bewahrt bleibt, andererseits aber auch eine Unterordnung in die Gemeinschaft der Hausfassaden vollzogen wird. Die Materialien müssen handwerklich hergestellt sein, sie müssen diffusionsoffen sein und sie sollten mit Naturfarben gestrichen werden bzw. eine Patina entwickeln können. Für Fachwerksichtfassaden kommen nur auf Leinöl basierte Farben in Betracht, für die Gefache, sowie für Massivbauten rein mineralische Anstriche. Sichtbare Natur- und Backsteinmauern sind mit einem geeigneten Trockenmörtel ohne künstliche Beimischungen zu verfugen. Für die Verschalungen sind in erster Linie die üblichen Buche- oder Lärchenholzschindeln, sowie Lärchen- oder Douglasien-Holzbretter in Deckleisten oder Stülpoptik zu verwenden. Für Scheunen und Nebengebäude sind auch die etwas rustikaleren Boden- Deckelschalungen vorgesehen. Auch bei den Holzfassaden gilt die Prämisse nur mit Leinöl- oder Pflanzenlack-Farben zu beschichten, besser noch sie bleiben unbehandelt.

 
 

In den Bereichen der Wetterauer Dörfer ist auch eine Naturschiefer-Verkleidung üblich. Auszuschließen sind alle metallischen oder künstliche Fassadenplatten, sowie Eternitplatten.

 

5 e Fenster und Türen

 
Fenster
 

Die Holzfenster in den traditionellen Bauernhäusern sind in die Fachwerkstruktur eingefügt und oft zu Pärchen oder Gruppen zusammengefasst. Die Proportionen bewegen sich im Verhältnis 1= 1,2 bis 1= 1,5. Die Breiten schwanken dabei zwischen 70 cm und 90 cm und die Fensteraufteilung ist symmetrisch als Fensterkreuz oder als T-Sprosse. An der Übergangszone zwischen Fenster und Hauswand werden eine Windleiste, sowie ein Futterdeckbrett von ca. 6-8 cm Breite angebracht: es entsteht ein einfacher Rahmen, der das Fenster in der Fläche plastisch betont. Die kleinteilige und proportionierte Anordnung ist auch an den verschalten Seiten durchgehalten, am oberen Rand werden die Schindeln etwas vorgewölbt, sodass das Fenster geschützt ist.

 
Fensterpaar in Betzenrod
 

Im Zuge der Umbauten der letzten 50 Jahre wurde die wichtige Rolle der Fenstergestaltung mit Füßen getreten und alle möglichen Formate in die Fachwerkstrukturen rein gebrochen.

 

Übliche Fensterformate in Schotten

 

 Neue Fenster müssen in das Fassadenbild so eingepasst werden, dass sie die Maßstäblichkeit des überlieferten Fachwerk- oder Verkleidungsbildes wahren. Dabei können durchaus weitere Fachwerkfelder zu Fenstern umfunktioniert, ehemalige Scheunentore ganz verglast werden. Wichtig ist die Beibehaltung von stehenden Formaten, die Gliederung der Flächen durch Holz- oder Bleisprossen. Vorgeklappte Sprossen oder Sprossen in Aspik sind nicht erlaubt. Bei denkmalgeschützten Bauten sind echte zwei- oder dreiteilige Fenster einzubauen, wenn sie breiter als 80 cm sind. Fenster in Holzfassaden bedürfen unbedingt eines Futters mit Windleiste, das außen mit einem Deckbrett von 6-8 cm abgeschlossen wird. Bei waagrechten Verschalungen reicht auch ein Stehbrett, das über 1-2 cm über die Verschalung steht. Die Fensterbänke werden mit einfachen Zinkbänken (keine Alu-Bänke!) abgedeckt, die hinter den Futterbretter hochgezogen sind. Grundsätzlich sind in Holz- und Fachwerkfassaden nur Holzfenster (keine Tropenhölzer) vorzusehen. Bei Renovierung der alten Fenster, die ja eine enorme handwerkliche Qualität besitzen, kann man innen ein weiteres sprossenloses wärmegeschütztes Fenster davor bauen und erhält damit einerseits die wichtige Optik der Fassade, und hat aber gleichzeitig dem Wärmeschutz genüge getan.

 

Bei Fenstern in Massivfassaden gelten die gleichen Forderungen der Maßstäblichkeit. Um die Fenster herum sind farblich abgesetzte Faschen auszubilden, nebeneinander liegende können zusammengefasst werden. PVC-Fenster sind erlaubt – aber ohne Dekorfolien und Sprossen in Aspik. Als Fensterbänke kommen neben den Zinkbänken auch Alu- oder Steinbänke in Betracht.

 

5 d Fassaden

 
Türen
 

Die Lage der Haupteingänge war bei den Bauernhäusern immer an der Traufe im zweiten Bund. Die Türen aus Hart- oder Weichholz waren ähnlich unterteilt wie die Fachwerkbilder in Brüstungszone, Hals- oder Kopfzone und festes Oberlicht. Meist waren sie – besonders bei reichen Bauern ornamentiert. Die Lage betraf die Orientierung und die ganze Gliederung des Gebäudes, das sich um den Eingang herum natürlich entfalten konnte.

 

Tür aus dem 19.Jh. in Betzenrod

 

 Vorhandene historische Haustüren sind zu restaurieren und gegebenenfalls energetisch aufzurüsten. Dies geschieht in Form von Aufsatzleisten, in die eine Dichtung eingefräst werden kann. Zusätzlich können auch Falldichtungen und unauffällige Zusatzschlösser eingebaut werden. Bei unausweichlichem Neubau sind nur Holztüren im einheimischen Holz zu fertigen, die sich in einfacher Form dem historischen Vorbild nähern können. Auch in den 50/60er Jahren wurden noch handwerklich gefertigte Hauseingangstüren eingebaut, mit denen genauso zu verfahren ist. Türen aus Aluminium, Kunststoff oder Tropenhölzern werden nicht erlaubt.

 
weiter zu Teil 4

 

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