Barrierefreie Darstellung Barrierefrei   Kontakt   Sitemap   Impressum   E-Mail senden Aktuelle Seite drucken
Schotten - Stadt am grünen Vulkan
städtebaulicher Fachbeitrag
Suchen
Suchen

 

Webcam Hoherodskopf 

 

 
 

 


 

Ladies Day 2018 

4 a Hofformen

 

Die häufigste Hofform, wie sie in den Vogelsberger Dörfern noch zu finden ist, ist das freistehende Einhaus: Alle Funktionen waren unter einem steilen Satteldach vereint: Wohnstube, Ern mit Küche, Stall, Tenne und Bansen, teilweise nochmal erweitert um Querhäuser, in denen weitere landwirtschaftliche Funktionen untergebracht waren. Viele Einhäuser sind mittlerweile überformt: Stall und Scheune massiv ausgebaut, Erker oder Anbau an das Wohnhauss dran gebaut, Dach und Fassaden stark verändert. Aneinandergebaute traufständige Häuser finden sich in Götzen, Eschenrod und in Burkhards entlang der Bäche. Von diesen „langen Reihen“ geht eine starke raumbildende Wirkung aus, die als Besonderheit erhalten werden sollte.

 

  

Gestaffelte Höfe, die zwei- oder dreiseitig geschlossen sind, befinden sich gehäuft in den Dörfern Eichelsachsen, Einartshausen, Eschenrod und Rainrod. Der Reiz der Dörfer ist die Abwechslung zwischen der strengeren Raumbildung der Einhäuser und den Ausbuchtungen der Zwei- und Drei-Seithöfe, gleichzeitig erinnert die bauliche Struktur der Dörfer an die frühere Notgemeinschaft, in der jeder von jedem abhängig war.

 

 
 

 Der einprägsame Raumeindruck der vorgefundenen Hofformen, die in allen Dörfern noch stark erlebbar ist, sollte für eventuelle Erweiterungen in den Dörfern Vorbild sein. Dabei sollte die typische Hofgestalt der jeweiligen Dorfregion (Vogelsberg, Mischregion, Wetterau) beachtet werden. Die Lage der Scheunen im rückwärtigen Bereich bieten hervorragende Voraussetzungen für heutige Wohnformen: zur Straße hin der befestigte ehemals landwirtschaftlich genutzte Hof, der als „grünes Zimmer“ genutzt werden kann, und nach hinten die Obst- und Nutzgärten mit mannigfaltigem Bezug zur umgebenden Natur. Gerade die schon vorhandene aufeinander bezogene Siedlungsform der Höfe ist eine tragfähige soziale Basis für neues Leben auf dem Dorf.

 

4 b Freiflächen

 

Die befestigten Hofflächen der Bauernhäuser waren landwirtschaftlich genutzt und lagen geschützt zwischen den Gebäuden. In den engen Dörfern von Schotten reichte der Platz kaum für den lebenswichtigen Nutzgarten, sodass diese am Rande der Siedlung angelegt wurden. Erkennbar sind sie noch in den besonders dicht bebauten Dörfern Betzenrod, Rudingshain, Michelbach und Breungeshain. Die Fundamentmauern der Zäune bestanden aus Basaltlesesteinen. Etwas aufwendiger gestaltete Gärten besaßen quaderförmige Sandsteinpfosten mit leichtem Zeltdach. In wenigen Höfen findet man heute noch das typische Basaltpflaster, was heute durch verschiedene Betonsteinpflasterungen ersetzt wurde. Heute werden die Höfe für den ruhenden Verkehr und für Außensitzplätze genutzt – die Nutzgärten im Dorf sind fast völlig verschwunden. In Eichelsachsen hat sich eine alte Natursteinpforte für einen größeren herrschaftlichen Hof erhalten.

 
Mannpforte in Eichelsachsen
 

 Altes Natursteinpflaster ist auf jeden Fall zu erhalten. Eine zeitgemäße Neuanlage enthält sowohl Naturstein- als auch Betonsteinpflaster zur Kennzeichnung von Stellplätzen, Herstellung von Entwässerungsrinnen, Brunnen i.a. Wichtig ist bei Verwendung des Betonsteinpflasters, dass es sich farblich und haptisch an die alten Pflasterungen anlehnt: keine glatten Betonsteine, keine grellen Farben, keine scharfe Kanten. Im Rahmen der Dorferneuerung wäre es wünschenswert, dass die überlieferte Tradition eines Hofbaums wieder eingeführt wird. Einfriedungen, Grenzmauern sind nach altem Muster herzustellen, was für Schotten bedeutet: Basaltsteinmauern, eventuell Ecksteine aus Sandstein, Staketenzaun mit oder ohne Grenzpfosten. Hölzerne Carports in Verbindung mit einfachen Pergolen können am Rand eines Hofes zur Raumbildung gesetzt werden. Auf keinen Fall aber sollte die Hofwirkung durch Zubauten geschmälert werden.

 

4 c Nebenhäuser, Scheunen

 

Es gibt im dörflichen Zusammenhang eine Vielzahl von kleineren Häusern und Schuppen, die für die Kleintierhaltung, Garten- oder die Holzlagerung benutzt wurden. Sie bilden neben den innerörtlichen Gärten die Klebemasse der ländlichen Architektur. Die Einhäuser, bzw. die Zwei- und Dreiseithöfe in den Altdörfern stehen nicht stumm nebeneinander sondern sind durch ihre Ausrichtung und die sich in zweiter Reihe befindlichen Kleinstgebäude und Anbauten miteinander verbunden.

 
Scheune in Betzenrod
 

 Bei zukünftigen Umnutzungen der landwirtschaftlichen Bauten zu Wohnungen oder Teilabrissen zur Schaffung von Freiflächen sollte darauf geachtet werden, dass die spezifische dörfliche Stellung der Nebenhäuser erhalten wird, die überlieferten Kleinstbauten saniert werden, oder in ähnlicher Weise mit dem Bau von dörflich angepassten Carports, Gartenhäuser, Pergolen, Sitzplätzen, Vordächer u.ä. sich dem Ideal der dörflichen Kubatur genähert wird. Übergangszonen, die teilweise innen, teilweise außen erscheinen spielen eine wichtige Rolle bei der Beziehung, die Menschen (und Tiere) zu Gebäuden entwickeln. Bei der Umnutzung von Scheunen sollte die ehemalige Tennenzone gestalterisch betont werden (großzügige Verglasung, Verkleidungswechsel,…). Besondere dörferbauliche Anordnungen, die nicht denkmalgeschützt sind – wie in Götzen in der Gierbachstraße oder in Rudingshain in der Bergstraße – sollten unbedingt erhalten werden.

 

4 d Erschließung, Eingangstreppen, Vorbauten

 

Die traufständigen Häuser werden von der Straße aus erschlossen. Es führt ein direkter Weg auf die Eingangstür. Giebelständige Wohnhäuser haben ihren Eingang an der Hofseite – alle Stall- und Scheunenräume sind ebenso vom Hof zugänglich. Die heute gebräuchlichen Vorbauten sind im Nachhinein an die Bauernhäuser gefügt, früher gab es weder Vordach noch Windfang. Bei Stockwerksbauten musste man 3/4-geschossige Sandsteintreppen davor bauen, bei den Einhäusern, die in den Hang gebaut wurden reichten meist zwei bis drei Stufen.

 
Vordach des beginnenden 19. Jahrhunderts in Eichelsachsen
 

 Die Erschließung der Wohnbauten sollte nach den überlieferten Einteilungen geschehen. Bei Scheunenausbau wäre der Eingang über das verglaste Scheunentor oder die ehemalige Stalltür. Die Eingangstreppen sollten in Sandstein oder Basalttuffstein restauriert oder in ähnlicher Form neu gebaut werden. Alte ortstypischen Treppen-und Podestgeländer sind in einfacher schmiedeeisernen Form oder verzinkt zu gestalten. Es können auch staketenartige Holzverkleidungen zur Anwendung kommen. In heutiger Zeit hat man den Drang, die Windfänge durch Eingangsbauten vor die Häuser zu ziehen. Dies verunklärt die einfache Kubatur der historischen Bauten. Auch die früher als „Dorferneuerungs-Vordächer“ bezeichneten Appendixe aus geschnitztem Fachwerk wirken schwer und aufgesetzt. Eher sollte man leichte Vordächer aus Glas / verzinktem Stahl bauen – unter Vermeidung von seitlichen Windschutzwänden.

 

5. Haus, Form und Material

 

5 a Grundkubatur

 
Einhäuser
 

Bei der großen Vielfalt der Hausstellungen und Hausveränderungen in den Schötter Dörfern kann man in der Regel eins noch erkennen: Die Bezogenheit der Höfe aufeinander, die Einhaltung des dörflichen Maßstabs und die überwiegende Einheitlichkeit der Dächer.

 

Dabei sind die quergeteilten ein- oder zweigeschossige Einhäuser der Vogelsberg-Dörfer in den letzten 100 Jahren auf vielfältige Weise verändert worden, wobei die Grundform des gestreckten, mit einem ca. 43 Grad Satteldach versehenen Quader in den ungefähren Maßen 7,5 -8,5 m x 14 m x 5 m (bei Eingeschossigkeit: 3,50-4,0 m) noch erkennbar bleibt. Die einzelnen Zonen liegen quer zur Firstrichtung, sodass alle Funktionsteile eine innere Verbindung haben. Durch die Ausrichtung der Einhöfe in SW-NO-Richtung ergibt sich folgende Staffelung von Nordosten her:

a. Wohnstube mit Kammer- heute meist die große Wohnstube ohne Unterteilung (4-5 m breit) / Im Obergeschoss zwei Schlafzimmer

 

b. Ern mit Treppe und hinterer Küche(3-4 m breit) / Im Obergeschoss Flur mit Kammer (heute meist Bad)

 

c. Stallteil (ca. 4,0 m breit oder bei größeren Höfen 8 m) / Im Obergeschoss zwei weitere Zimmer (Stallkammern) – heute meist ausgebaut

 

d. Tennenbereich durchgehend (ca. 4,0 m breit) – heute meist als Abstellraum benutzt, oder Bulldog-Garage

 

e. Bansen (für Heu-und Strohlagerung) ca. 2,50 m breit

   

 

eingeschossiges Einhaus in Betzenrod
 

Über dem Obergeschoss befindet sich der heute ungenutzte Dachboden, und darüber der Kehlboden oder auch „Katzengerüst“ genannt. Unterkellert ist nur der erste Bund unter dem Wohnzimmer, das zwei bis drei Stufen höher liegt wie der Ern. Meist würde das ansteigende Gelände der Vogelsberglandschaft hierfür ausgenutzt, da man ja durch das nahe Basaltgestein nicht sehr tief gehen konnte.

 

Dreigeschossige Häuser

 

Ein spezifisches Phänomen der steileren Schötter Bergdörfer ist der vollgeschossige Keller, der immer bei starken Hanglagen voll in Erscheinung tritt. Die damalige Erstellung mit dem Naturstein der Gegend bindet diese Häuser gut in das Gesamtensemble ein, wie es auch in späterer Zeit bei der Jugendstil-Schule in Rudingshain geschehen ist.

 
 Fachwerkhaus in Betzenrod
 
Jugendstil-Schule in Rudingshain

 

Die aus den Einhäusern entstandenen Zwei- und Dreiseithöfe

 

Das Einhaus wird in den Schötter Dörfern sehr oft durch kleinere oder größere Querhäuser erweitert. Die kleineren dienten zur Ziegen- und Schafhaltung, aber auch wegen der Seuchengefahr der Schweinehaltung, darüber ein weiterer Bergeraum für Heu und Stroh. Dreiseithof in Eschenrod

 
Dreiseithof in Eschenrod

 

Gehöftformen der westlichen Dörfer

 

In den Dörfern Rainrod, Eichelsachsen und Einartshausen herrscht die Bauweise des schmalen Winkelhofes vor, dessen Wohnhausbreite an der Straße zwischen sechs und acht Metern schwankt. Die Höfe sind so aneinander gereiht, dass jeweils dreiseitig geschlossene Hofformen entstehen, die allerdings zum Straßenraum offen sind. (in der Wetterau und in der Hüttenberger Gegend geschlossen!)

 
Enge Gasse in Rainrod

 

Vertikale Wohnstallhäuser

 

Über einem ebenerdigen Keller, der als Stall benutzt wurde, erhebt sich die eingeschossige

Wohnebene mit seitlicher Scheune oder einem weiteren Wohnteil. Meistens waren es Siedler, kleine

Handwerker oder Lohnabhängige, die sich diese platzsparenden Gebäude gebaut haben. Bei

fehlender Scheune diente der Dachboden als Lagerraum für Heu und Stroh. In den Schötter Dörfern

trifft man diesen Bautyp eher selten an
 
Stockwerkshaus in Gözten
 

50 er Jahre Häuser

 

Nach dem Krieg wurden – bedingt durch den Flüchtlingsstrom aus dem Osten – das erste Mal geplante Siedlungen errichtet. In der Anfangszeit hatten auch diese Häuser land- oder forstwirtschaftliche Gebäudeteile. In Regel aber waren es eingeschossige, fast quadratische Bauten mit einem steilen 50-60 Grad-Dach, das ausgebaut war. (Maße: ca. 8 m x 10 m).

 

50er Jahre Siedlung in Schotten

 

Sonstige Wohnhäuser

 

In den Randbereichen der Altstadt Schotten sind noch gut geschlossene Häuserzeilen zu erkennen, die den Kern kranzartig umschließen. Die ehemaligen Arbeiter- oder Beamtenhäuser haben immer vom Wohnhaus getrennte Nebengebäude, z.B. für Kleinlandwirtschaft oder Kleinvieh. Das Wohnhaus selbst steht mit hohem Geschoss auf einem Natursteinsockel. Die Dächer weisen in der Regel einen mittigen Zwerchgiebel auf, hinter dem sich ein Dachzimmer befindet. Besonders einprägsam ist die Struktur der Fenstereinteilung, die in einem strengen dreier, vierer oder fünfer Rhythmus die Fassade strukturiert.

 
Wohnhaus in Schotten
 

 Die Fördergrenze ergibt sich vor allem aus der Erkennbarkeit der ehemaligen Siedlungsstrukturen. Dabei spielen die noch erlebbaren Grundkubaturen der Gebäude eine entscheidende Rolle: Ist die ursprüngliche Raumbildung noch erlebbar? Erkennt man noch einheitliche Muster und Baulinien? Gibt es Möglichkeiten, durch Teilabrisse überlieferte Kubaturen wieder deutlicher herauszuschälen, um gleichzeitig Freiräume für neues Wohnen in den Dörfern zu schaffen.

 

5 b Dach und Dachaufbauten

 

Dachform

 

Das Dach spielt in der Erscheinung der Dörfer im Vogelsberg eine entscheidende Rolle. Man sieht an der Dachlandschaft zuerst, ob es sich um eine Haufen- oder Straßendorf handelt, man empfindet den schützenden Charakter der Dächer und deren kleinteilige Oberfläche lässt das Dach zu jeder Jahreszeit unterschiedlich erscheinen. Das Satteldach zwischen 40 und 43 Grad ist d i e Dachform für die überlieferten Bauernhäuser, spätere Anbauten lehnen sich als Pult- oder Satteldach an die Trauf- oder Giebelseiten der Haupthäuser an und setzen sich deutlich von ihnen ab. Gestaltbildend sind bei älteren Satteldächern auch die Aufschieblinge, deren Köpfe oft zimmermannsmäßig bearbeitet waren. Sie stellten erst den Dachüberstand her, weil die Sparren direkt in die Deckenbalken eingelassen sind. Mansardendächer findet man vereinzelt in den Dörfern wie beim Amtshaus der Laubacher Grafen in Einartshausen oder bei größeren Scheunenvolumen. Sonderbauten wie Schulen, Kirchen und Gemeindehäuser können grundsätzliche eine andere Dachform haben: Walmdach, Zeltdach oder Dächer mit Krüppelwalm.

 
Gemeindesaal in Busenborn
 

 Die überlieferte Dachform der Satteldächer mit Aufschieblingen muss für die Hauptgebäude beibehalten werden, um den inneren Zusammenhang der Hausgefüge klar ablesbar und erkennbar zu halten. Nebenhäuser oder Anbauten können als flach geneigte Dächer oder Pult- oder Satteldachdächer angefügt werden.

 

weiter zu Teil 3

 

Zusätzliche Informationen anfordern... Zusätzliche Informationen anfordern...

Kontakt
Stadtverwaltung Schotten
Vogelsbergstraße 184
63679 Schotten                  
 

Tel. 06044-66 0

Fax: 06044-66 69

E-Mail: info@schotten.de

 

Rückruf-Service 

 
Anregungen, Beschwerden, Wünsche
 

Öffnungszeiten Stadtverwaltung

Montag - Freitag  

8.00 - 12.30 Uhr

Donnerstag  

13.30 - 18.00 Uhr

oder nach Terminvereinbarung

 

Öffnungszeiten Bürgerbüro