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Städtebaulicher Fachbeitrag

für die

Stadt Schotten mit Stadtteilen

 
 

Städtebaulicher Fachbeitrag im Rahmen des IKEK-Verfahrens Schotten

 

1.) Einführung in die Mustersprache (Empfehlungen für die Gestaltung)

 

2.) Die Dörfer im regionalen Zusammenhang

 

3.) Naturraum, Dorf und Siedlung

 

3a-Dorfränder,Dorfeingänge

3b-Dorfmitte

3c-Bachläufe, Gräben

3d-Straßen, Wege und Pfade

 

4.) Siedlung, Haus und Hof

 

4a-Hofformen

4b-Freiflächen, Einfriedungen

4c-Nebenhäuser, Scheunen

4d-Erschließung, Vorbauten

 

5.) Haus, Form und Material

 

5a Grundkubatur

5b-Dach und Dachaufbauten

5c-Sockel

5d-Fassaden

5e-Fenster und Türen

 

6.) Innenraumgestaltung

 

6a-Fußböden

6b-Wände, Decken

6c-Einbauten

6d-Energie

 

7.) Abriss, Anbau und Neubauten

 

7a-bestehende Neubauten im Fördergebiet

7b-Abriss und Teilabbruch

7c-An- und Neubauten

7d- gewerbliche und landwirtschaftliche Bauten

 

8.) Fazit

 

9.) Abgrenzung Fördergebiet mit Begründung

 

1. Eine Mustersprache für Schotten

 

Seit den 60er Jahren werden die überlieferten Strukturen der Dörfer durch untypische Bauweisen, unproportionierte Hausformen, fremde Materialien immer mehr aufgebrochen. Die Folge ist, dass die gewachsenen baulichen Übereinstimmungen der dörflichen Gebäude –ein Kernpunkt der ländlichen Baukultur - nach und nach verloren gehen. Die industrielle Herstellung der Bauteile und das „Überspringen“ der handwerklichen Sichtbarkeit des Gemachten lässt landauf landab die Dörfer immer gleichförmiger werden.

 

In den Dörfern Schottens hat sich auf der Ebene der Siedlung - das regionaltypische Miteinander der Gebäude größtenteils erhalten, da es meist eine einheitliche Häuserstruktur gibt, die noch erlebbar ist. In den Dörfern gibt es unterschiedliche Grade des vergangenen Modernisierungsschubs. Dies hängt z.B. davon ab, wie viel „moderne“ Handwerksbetriebe in den 60/70er Jahren im Dorf existiert haben, oder ob das Dorf besonders viele Pendler besitzt, die neue Gestaltungsideen einbrachten.

 

Auf der Ebene der Häuser sind auf Grund dessen mannigfaltige Veränderungen und Materialmischungen festzustellen, die die Gesichter der Gebäude teilweise erheblich verändert haben. Im Prozess der Dorfentwicklung können diese zurückgenommen oder im Sinne der Dorfgestalt weiterentwickelt werden. Das betrifft auch Abrisse im vernünftigen Rahmen und angepasste Neubauten im Dorf.

 

Im Rahmen der Privatberatung kann jeder Hausbesitzer innerhalb der festgelegten Fördergrenzen die Beratung in Anspruch nehmen. Sie bezieht sich auf alle geplanten Veränderungen der Gebäude und gilt für jedes abgeschlossene Bauteil (Wohnhaus, Scheune, Nebenhaus). Um eine für das Dorf sinnvolle und harmonische Weiterentwicklung zu gewährleisten, dient die folgende Mustersprache, die nicht als Gestaltsatzung angelegt ist, sondern eher als Handlungsrahmen. Durch die Beratung kann es zu individuellen Lösungen kommen: Inhaltlich ist sie als Netzstruktur aufgebaut und zieht sich vom Allgemeinen zum Besonderen. Es wird mit übergeordneten dörferbaulichen Strukturen begonnen, geht über die Beziehung der einzelnen Gebäude und Höfe untereinander zum Haus selbst – und zu seinen Details.

 

Jedes Kapitel hat in der Regel einen vierteiligen Aufbau:

  1. Erklärung des Musters z.B. „Dach und Dachaufbauten“ aus der Geschichte heraus, sowie die Frage: Welche Faktoren sind heute noch baugestalterisch wirksam? 
  2. Skizzen und Planzeichnungen zum Muster
  3. Empfehlungen für die Beratung
  4. Am Schluss jedes Kapitels wird auf andere Muster hingewiesen, um die Querbeziehungen der jeweiligen Empfehlungen deutlich zu machen. Dadurch entsteht eine lebendige Mustersprache, die auf die Vielzahl von Problemlösungen innerhalb der dörflichen Struktur antworten kann.

 

 

2. Die Dörfer im regionalen Zusammenhang

 

Die meisten Schötter Dörfer liegen in den Tälern des südwestlichen Vogelsbergabfalls, die vorwiegende Siedlungsrichtung geht von Südwest nach Nordost und ist gut erkennbar. Die vier Dörfer Michelbach, Breungeshain, Götzen und Sichenhausen liegen auf der Höhe und haben sich eher wie Bergdörfer, also entlang von geschützten Plätzen am Hang entwickelt. Gleichwohl spielen auch hier Bäche oder Gräben in der weiteren Dorfgemarkung eine Rolle. Baugestalterisch haben die Dörfer Rainrod und Eichelsachsen schon Strukturen der Wetterauer Dörfer, während alle anderen der typischen Vogelsberger Hauslandschaften zugerechnet werden können. In der Wetterauer Region stehen die Höfe mit ihren kleinen Wohnhäusern giebelständig an der Straße und bilden mit der quer liegenden Scheune und dem Nachbargebäude einen schmalen Wirtschaftshof. Während in vielen Gegenden der Wetterau die Höfe geschlossen sind, nimmt die Öffnung der Höfe Richtung Vogelsberg zu. 

 

 

Aus Ehemann, Karl „Das Bauernhaus in der Wetterau und im SW-Vogelsberg“ Frankfurt 1953

 

In den „Vogelsbergdörfern“ überwiegt das historische Einhaus, das in vielen Richtungen verändert wurde: Anbau einer quer dazu stehenden Scheune oder Bau einer Parallelscheune. An den Häusern selbst wurden Fachwerkteile durch Massivbauten ersetzt, Fenster sind größer geworden, Dachlandschaften haben sich verändert.

 

Hintergrund der unterschiedlichen Hauslandschaften ist vor allem die unterschiedliche frühere Bewirtschaftung. Herrschte in den Talregionen (aber auch auf dem Ostplateau des Vogelsberges) eher die Ackerwirtschaft vor, ist es in den steileren Tälern des Südwestabhangs eher die Viehwirtschaft mit mehr oder weniger einheitlichen Hausstrukturen.

 

Zitat und Plan aus Karl Ehemann „Das Bauernhaus in der Wetterau und im SW-Vogelsberg“, Frankfurt 1953:

 

Bereits in vorgeschichtlicher Zeit lassen sich in unserem Gebiet zwei Tendenzen nebeneinander feststellen: einmal die Gehöfttendenz, die bestrebt ist, für alle Zwecke ein besonderes Gebäude zu errichten, und zweitens eine Einhaustendenz, die bestrebt ist, alle oder wenigstens mehrere Wirtschaftsräume in einem Bau zusammenzufassen. Dies führt in germanischer Zeit zur Ausbildung zweier, nebeneinander vorkommenden Formen des stets unregelmäßigen germanischen Haufendorfes: erstens dem Gehöft mit dem Kleinhaus als Wohnhaus, das keine Wirtschaftsräume enthält, und zweitens dem Gehöft mit einem Wohnraum und Stall in einem Bau vereintem Langhaus.

 

 

 

3. Naturraum, Dorf und Siedlung

 

3 a Dorfränder, Dorfeingänge

 

Dorfränder

 

Einige Schötter Dörfer haben sich – durch die Nähe zum Rhein-Main-Gebiet – dynamischer als im östlichen oder nördlichen Vogelsberges entwickelt. Große Neubaugebiete finden wir in den idyllisch liegenden Dörfern Wingershausen, Eschenrod (Waidmühelnweg), Betzenrod, Eichelsachsen, Einartshausen, Michelbach und Rainrod – kleinere, mehr den vorhandenen Dorfstrukturen

angepasste Neubaugebiete in den restlichen Dörfern.

 
 
 Dorfrand in Eschenrod
 

In der Regel haben die Schötter Dörfer an zwei Seiten noch gut ausgebildete Dorfränder, sodass das frühere Ordnungsprinzip an den Bächen und in geschützten Mulden zu bauen noch gut zu erkennen ist – am besten mit der Abstufung: Wohnhaus giebelständig oder traufständig an der Straße, dahinter: Nebengebäude, rückseitiger Hof, Grabgarten, Hühnerpferch, Obstwiese, Ackerland

 

 
 

Ein oder zwei Seiten aber sind – entsprechend der Topographie kann das jede Richtung sein – durch ein anschließendes Neubaugebiet aufgeweicht. In den Dörfern Betzenrod, Wingershausen, Eschenod (Weidmühlenweg) und Einartshausen erscheinen die Neubaugebiete wie eigene Dörfer, die nur über einen schmalen Brückenkopf mit dem Altdorf verbunden sind. 

 

 In der Dorfentwicklung muss versucht werden die Neubaugebiete, sowie die einzelnen Neubauten in den historischen Dorfrändern stärker diesen althergebrachten Abstufungen unterzuordnen. Insbesondere gilt das für die Wahl der Oberflächen und Farben, als auch der Wahl der Bauplätze, die das Siedlungsprinzip der Schötter Dörfer nämlich des „Sich Duckens in die Landschaft“ sowohl an einen Bachlauf, als auch an einer geschützten Stelle am Hang beachten.

 

Dorfeingänge

 

„Dorfeingänge sind die Haustüren der Dörfer“. So wie bei den Haustüren der Zwischenraum zwischen Innen und Außen ausgestaltet wird – durch Ausschmückung, Vordach, Richtungswechsel oder Stufen – braucht auch das Dorf eine markante Schwelle, die besonders den Autofahrer zum Geschwindigkeitswechsel animiert. In den Schötter Dörfern finden wir oft noch besondere Bauwerke beim Eintauchen in das Altdorf.

 

 
Dorfeingang Breungeshain
 

 Dorfeingänge können gut mit Baumpaaren, Verengungen, Kunst-oder Begrüßungswerken aufgewertet werden, damit sich eine Tor- oder Schwellenwirkung ergibt. Die Maßnahme sollte einen dorftypischen Charakter haben oder auch auf Besonderheiten des Dorfes hinweisen.

 

3 b Dorfmitte
 

In den landwirtschaftlich geprägten Dörfern haben sich keine geschichtlichen Dorfmitten ausgebildet. Die Treffen fanden im Kirchhof, am Brunnen oder beim Backhaus statt. Erst durch das Aufkommen der Dorfgemeinschaftshäuser nach 1955, sowie den Umbau der leerstehenden Schulen nach 1970 ergaben sich in den Freibereichen platzartige Flächen, die ungestaltet waren. Im Rahmen der vergangenen Dorferneuerungen wurden diese aufgewertet. Auffällig sind in den größeren Schötter Dörfern (Eichelsachsen, Rainrod, Eschenrod) und in Götzen platzartige Erweiterungen am Bachlauf.

 
Platzartiger Straßenverlauf in Götzen
 

 Wichtig ist an solchen Ort neben der räumlichen Fassung, die Bündelung von Funktionen, damit Aktivitäten sich mischen und die Menschen sich begegnen.

 

3 c Bachläufe, Gräben

 

Die überwiegende Siedlungsrichtung der Dörfer zieht sich entlang der Bäche von Südwesten nach Nordosten. Eichelsachsen, Wingershausen und Einartshausen folgen den Bachläufen von Südost nach Nordwest, Rudingshain von Süden nach Norden, Michelbach von Westen nach Osten. Während die Siedlungsformen von Betzenrod, Breungeshain, Burkhards, Eichelsachsen, Eschenrod, Götzen, Wingershausen, Rainrod und Rudingshain einen unmittelbaren Bezug zu den Bachläufen haben, gibt es in den Berg-Dörfer Einartshausen, Sichenhausen, Michelbach, Busenborn und Kaulstoß ein etwas anderes Bild. Hier liegt die Siedlung zwar flussparallel, aber mit Abstand darüber.

 
Basaltsteinbrücke in Kaulstoß
 

 Der mannigfaltige Bezug der Schötter Dörfer zum fließenden Wasser ist für das Zukunftsszenario einer Wohn- und Freizeitgemeinde von enormer Bedeutung. Wasser spielt eine grundlegende Bedeutung in unserem Leben, es begleitet uns von der Wiege bis zur Bahre und sollte in der Gestaltung der Dörfer des Vogelsberger Südwestabhangs eine tragende Rolle spielen.

 

3 d Straßen, Wege, Pfade

 

Die Hauptstraßen der Schötter Dörfer orientieren sich überwiegend an der Flussrichtung der Bäche. Selbst bei den kleineren Dörfern aber wurde um die Hauptstraße herum ein Netz von weiteren Straßen angelegt, die die Siedlung mehr oder weniger stark verdichten. Je weiter man Richtung Wetterau kommt, scheint diese Verdichtung planmäßig zu sein (Rainrod, Eichelsachsen), je weiter man in den Vogelsberg kommt unregelmäßiger. War in der Dorfmitte wenig Platz wurde – wie in Betzenrod noch gut erkennbar – in die Höhe gebaut und jede Ecke ausgenutzt. Besonders stark durch Querwege zerklüftet sind die Dörfer Michelbach und Rudingshain, in Einartshausen entstand im Laufe der Zeit eine ovale Dorfinsel mit Kirche.

 
Dorfmitte Einartshausen                                                                     Dorfmitte Michelbach
 

 Kleine Wege und Pfade sind wichtig für die inneren Qualitäten eines Dorfes. Der einfache soziale Kontakt entsteht auf solchen Wegen: auch bei Neuanlagen in den Dörfern sollten Fußgängerwege entstehen, die die Wohnhäuser direkt miteinander verbinden. Das für Schotten typische Element der kleinen Stege über die Bäche ist zu erhalten und auszubauen.

weiter zu Teil 2

 

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